Rapid Manufacturing

Additiv gefertigte Serienbauteile und Ersatzteile werden häufig im Sichtbereich eingesetzt. Das bedeutet, dass sie optisch die gleichen Anforderungen erfüllen müssen wie mit anderen Verfahren hergestellte Bauteile. Mit mehr als 30 Jahren im 3D-Druck verfügt FKM über einen umfassenden Erfahrungsschatz und zahlreiche Spezialanlagen zur Bauteilveredelung.

Interview: FKM hat sein QM-System nach der Automotive-Norm IATF 16949 zertifizieren lassen

07. Juni 2022

Als eines der ersten deutschen Unternehmen aus dem Technologiesektor des Additive Manufacturing erfüllt FKM seit wenigen Wochen die strengen Anforderungen der IATF 16949. Damit rückt der Lasersinter-Spezialist auf in die erste Liga der Zulieferer von Serienteilen für die internationale Automobilindustrie. Im Interview spricht Stefan Behlert, der Leiter der Qualitätssicherung von FKM, über die konkreten Auswirkungen der Norm auf das Tagesgeschäft.

Herr Behlert, die Kriterien der ISO 9001:2015 und ISO 14001:2015 erfüllt FKM ja bereits seit geraumer Zeit. Warum haben Sie Ihr Qualitätsmanagement jetzt zusätzlich nach den hohen Anforderungen der IATF 16949:2016 zertifizieren lassen?

Behlert: Wir kommen damit einer zentralen Forderung aller namhaften Automobilbauer entgegen. Die Zertifizierung nach der IATF 16949 qualifiziert unsere Lasersinter-Fabrik in Biedenkopf als Produktionsstandort für die Fertigung anspruchsvoller Serien- und Ersatzteile für die Automobilindustrie. Damit sind wir nicht mehr nur einer der führenden Hersteller auf dem Gebiet des Additive Manufacturing, sondern auch der vermutlich erste deutsche 3D-Printing-Zulieferer, der in den Kreisen der OEM als Einzelteile-Lieferant auf dem Niveau eines Tier-3-Supplier gelistet wird. Die neue IATF-Zertifizierung verschafft uns also einen weitreichenden Wettbewerbsvorteil.

Welchem Grundprinzip folgen denn die Vorgaben der IATF 16949?

Behlert: Während die ISO 9001 branchenübergreifend gilt und eher allgemeine Mindeststandards an ein Qualitätsmanagement-System beschreibt, sind die Anforderungen der IATF 16949 automotive-typisch ausgerichtet und folgen dem Prinzip des Risikomanagements. Darin spiegelt sich der Anspruch der großen Automobilbauer wider, ihren Zulieferern ein differenziertes und branchenspezifisches QM-System abzuverlangen, das auf einer konsequenten Risiko- und Prozessorientierung sowie umfassenden KVP-Maßnahmen basiert. Die stringente Vermeidung von Verschwendung und Fehlern nimmt dabei großen Raum ein. Gegenüber dem OEM gibt die Zertifizierung nach der IATF 16949 klar zu erkennen, dass der Serienlieferant seine Prozesse im Griff hat und sie lückenlos durchschaut und beherrscht. Für uns ist sie der entscheidende strategische Schritt auf dem Weg zum automobilen Serienfertiger.

FKM liefert doch schon seit geraumer Zeit lasergesinterte Bauteile aus technischen Kunststoffen an Kunden in den Automobilbau. Was ändert sich denn jetzt durch die IATF-Zertifizierung?

Behlert: Es stimmt, dass wir auf der Ebene der Produktentwicklung und Vorserien schon seit etlichen Jahren für einige große Systemlieferanten und OEM tätig sind. Als Zulieferer von Klein- und Mittelserien für automobile Anwendungen konnten wir uns bislang allerdings nur in Ausnahmefällen durchsetzen – etwa mit speziellen Bauteilen aus PA 11, PA 12, PA 6 oder TPU. Mit der Zertifizierung unseres Qualitätsmanagements nach der IATF 16949 legen wir nun aber Zeugnis davon ab, dass wir über die vollwertige System- und Prozessqualität eines modernen Automotive-Serienfertigers verfügen. Wir sind damit also ein vertrauensvoller Partner, der die kundenspezifischen Anforderungen der OEM – die sogenannten Customer Specific Requirements – erfüllt.

Welche Auswirkungen hat der IATF-Maßnahmenkatalog für das Tagesgeschäft von FKM?

Behlert: Im Detail gehen die Bestimmungen der IATF 16949 weit über die der ISO 9001 hinaus. Bereits die Anpassung unseres bisherigen QM-Systems und dessen Ausbau nach den erweiterten Vorgaben war ein massives zusätzliches Paket an Aufgaben und Pflichten. Bis zur Zertifizierung Ende April dieses Jahres hat es meine Kollegen und mich etwa zwölf Monate intensiv beschäftigt. Derzeit dreht sich nun alles darum, die Prozess- und Arbeitsbeschreibungen der Norm konform in der täglichen Praxis umzusetzen.

Was bedeutet das denn nun konkret?

Behlert: Das heißt beispielsweise, dass einige Mitarbeiter neuen Abläufen folgen müssen, dass wir einer erhöhten Dokumentations- und Nachweispflicht nachkommen müssen, dass wir uns nach den Vorgaben einer strengeren Leistungsbewertung richten müssen, dass wir unseren Blick für potenzielle Fehlerquellen weiter schärfen müssen und vieles andere mehr. Unternehmensweit geht es darum, die neue Norm und die entsprechend beschriebenen Prozesse nun zu leben – wie es so schön heißt. Vereinfacht und beschleunigt wird dies durch die Erkenntnis, dass viele der IATF-bedingten Neuerungen bei FKM bereits zu erheblichen Prozessverbesserungen und Vereinfachungen geführt haben.

Können Sie das anhand einiger Beispiele veranschaulichen?

Behlert: Wir haben schon während der Einführungsphase festgestellt, dass wir eine höhere Transparenz bei unseren Kennzahlen erzielen. Viele Prozesse in der Produktion und Administration lassen sich daher nun besser steuern und wir können flexibler auf Marktveränderungen und Kundenwünsche reagieren. Ebenfalls sehr auffallend ist, dass sich die Fehlertransparenz bereits deutlich verbessert hat. Das versetzt uns in die Lage, Mängel und Defizite viel effektiver aus dem Weg zu räumen als es früher möglich war. Ich bin sicher, dass schon bald weitere Positiveffekte sichtbar werden. Lieferengpässe dürften zukünftig ausgeschlossen sein, die Materialnutzung wird sich weiter verbessern und die Anzahl der Fehler dürfte sich weiter reduzieren. Insgesamt werden unsere Prozesse sowohl an Transparenz als auch an Stabilität gewinnen.

Bis zu welchem Termin reicht denn die Gültigkeit Ihres aktuellen IATF-Zertifikats?

Behlert: Die im April abgeschlossene Zertifizierung hat grundsätzlich zunächst drei Jahre Bestand. Ihre Gültigkeit wird jährlich von einer akkreditierten Gesellschaft bestätigt – bis wir unser Qualitätsmanagement-System dann 2025 einer vollständigen Re-Zertifizierung unterziehen lassen müssen.

Herr Behlert, wir danken Ihnen für das Gespräch.

5 Vorteile von 3D-Druck-Serienteilen  On-Demand

Flexibilität

Die 3D-Druck-Serienfertigung kann jederzeit schnell starten, ohne lange auf die Produktion von Werkzeugen und Formen warten zu müssen. Dadurch können Hersteller schnell auf Änderungen in der Nachfrage oder auf neue Anforderungen reagieren und ihre Produktion flexibler gestalten.

Kostenersparnis

Die Produktion von 3D-Druck-Serienteilen On-Demand ist in der Regel kostengünstiger als die Produktion von Serienteilen in großen Stückzahlen, da Lagerkosten und Kosten für Werkzeuge oder Formen entfallen.

Individualität

Im 3D-Druck lassen sich individuelle Kleinserien fertigen, die beispielsweise spezielle Kundenanforderungen an den Werkstoff oder die Bauteiloberfläche erfüllen.

Schnelle Prototypenentwicklung

Serienteile können schnell und einfach als Prototypen produziert werden, um ihre Funktionalität und ihre Passform zu testen, bevor sie in die Serienproduktion gehen.

Geringer Materialeinsatz

3D-Druck reduziert den Materialverbrauch bei der Serienproduktion, da nur das Material verwendet wird, das für das Teil tatsächlich benötigt wird. Dadurch fällt weniger Abfall an und die Materialkosten sinken.

Sowohl Hersteller als auch Endkunden profitieren von der Produktion von On-Demand-Serienteilen im 3D-Druck. Durch die Kombination der 3D-Drucktechnologie mit traditionellen Fertigungsmethoden werden Unternehmen deutlich flexibler und können effizienter mit sich ändernden Nachfragen und Anforderungen umgehen.

5 Vorteile von 3D-Druck-Ersatzteilen On-Demand

Kostenersparnis

Die Produktion von On-Demand-Ersatzteilen im 3D-Druck ist in der Regel kosteneffektiver als die Produktion von Ersatzteilen in großen Stückzahlen, da Lagerhaltung und -kosten reduziert werden und keine teuren Werkzeuge oder Formen hergestellt werden müssen.

Flexibilität

Ersatzteile können schnell und einfach gefertigt werden, ohne lange Lieferzeiten oder Wartezeiten auf Werkzeuge und Formen. Dies ermöglicht die schnelle Reaktion auf Kundenbedürfnisse und minimiert Ausfallzeiten von Maschinen und Geräten.

Nachhaltigkeit

Die On-Demand-Ersatzteilproduktion von 3D-Druck-Teilen reduziert nicht nur den Bedarf an Lagerfläche, sondern verringert gleichzeitig auch die Umweltbelastung durch Transport und Verpackung.

Verfügbarkeit

Auch wenn Ersatzteile nicht mehr verfügbar sind oder nicht mehr hergestellt werden, können sie mit 3D-Drucktechnologie on-demand produziert werden. Dadurch lassen sich beispielsweise ältere Maschinen, Geräte und Fahrzeuge weiter nutzen und müssen nicht ersetzt werden.

Individualität

3D-Druck ermöglicht die Produktion von kundenspezifischen Ersatzteilen, die zum Beispiel bestimmte Anforderungen an Material- oder Oberflächeneigenschaften erfüllen müssen.

Insgesamt bietet die Produktion von On-Demand-Ersatzteilen im 3D-Druck zahlreiche Vorteile für Hersteller und für Endkunden.

Unser Beratungs- und Realisierungsansatz

FKM hält für On-Demand-Serien und -Ersatzteile sehr große Produktionskapazitäten vor und verfügt über das Know-how, diese hocheffizient einzusetzen. Darüber hinaus bieten wir ein breites Spektrum an Nachbearbeitungs- und Montagemöglichkeiten für einbaufertige Teile an. Als Projektpartner unserer Kunden steigen wir mit einer intelligenten Zusatzleistung schon vor der additiven Fertigung ein: Wir denken bereits den Entwicklungsprozess eines Bauteils mit.

Ganz gleich wie ungewöhnlich oder unrealistisch eine Idee ist: FKM unterstützt sie mit den Möglichkeiten des LPBF – vom ressourcensparenden Leichtbau, über Funktionsintegrationen wie konturnahe Kühlkanäle, spezifikationsabhängige Empfehlungen zur Werkstoffauswahl und Finishing-Möglichkeiten bis zur Fertigmontage von Baugruppen. Wir gehen mit Leidenschaft an die Realisierung und senken so Ihr Entwicklungsrisiko und sichern weitere Investitionsschritte.

„Wir bei FKM bieten State-of-the-Art-Lösungen für den 3D-Druck von Ersatzteilen, die funktionieren und wirtschaftlich sind.“

3D-Druck-Ersatzteile und 3D-Druck-Serienteile ab Losgröße 1

Das additive Herstellungsverfahren ist für kleine Stückzahlen ab der Losgröße 1 bis hin zu größeren Serien geeignet. FKM bietet eine bedarfsorientierte Ersatzteil- oder Serienproduktion mit dem Verfahren Selektives Lasersintern für Kunststoffbauteile und dem Selektiven Laserschmelzen für Metallbauteile.

Dabei gewährleisten wir vom ersten bis zum letzten Teil einer Serie identische Bauteileigenschaften und eine gleichbleibend hohe Qualität. Selbstverständlich unterliegen alle Prozesse und Fertigungsschritte einer regelmäßigen internen und externen Kontrolle und Auditierung. Die Einhaltung der für Ihre Bauteile vereinbarten Eigenschaften überwachen wir in unserem hauseigenen Prüflabor.