Eine Entscheidung mit vielen Konsequenzen
Jede Bauteilorientierung ist ein Kompromiss. Eine Ausrichtung, die Stützstruktur minimiert, erzeugt an anderer Stelle vielleicht ungünstige Überhangwinkel oder verlängert die Bauzeit, weil das Bauteil in der Höhe wächst. Eine andere Ausrichtung verbessert die Oberflächengüte der sichtbaren Flächen, verschlechtert aber die mechanische Festigkeit in Belastungsrichtung, weil additiv gefertigte Bauteile je nach Verfahren anisotrope – also richtungsabhängige – Materialeigenschaften aufweisen können.
Bei funktionskritischen Bauteilen, etwa hoch belasteten Metallteilen aus Edelstahl oder Werkzeugstahl, muss die Orientierung deshalb immer im Zusammenspiel mit der späteren Lastrichtung im Bauteil gewählt werden – nicht nur nach drucktechnischen Kriterien.
Worauf es in der Praxis ankommt
Die ideale Orientierung lässt sich selten mit einer einzigen Faustregel bestimmen. In der Praxis wägt man mehrere Kriterien gegeneinander ab und priorisiert je nach Bauteilanforderung.
- Funktionsflächen (Passungen, Dichtflächen, Gewinde) möglichst so orientieren, dass sie wenig Stützstrukturkontakt haben
- Hauptlastrichtung im Bauteil mit der mechanisch günstigeren Druckrichtung abstimmen, besonders bei Metall-SLM-Bauteilen
- Bauhöhe im Blick behalten: mehr Höhe bedeutet mehr Bauzeit und mehr Kosten
- Bei Serienbauteilen die Orientierung einmal sorgfältig festlegen und für Wiederholaufträge dokumentieren
→ Know-How: Co-Engineering
